Gedanken

Zum Nachdenken ...

Meine Seele ist stille zu Gott, der mir hilft.

Psalm 62,2


Blaise Pascal (1623-1662) prägte das provokative Wort: „Alles Übel rührt daher, dass wir unfähig sind, allein in einem stillen Raum zu sitzen.“

Ist das so? Ich bin froh, dass ich - wohl genetisch bedingt - als stilles Kind geboren wurde und zudem auf dem Lande groß geworden bin, wo es noch genug Zeit zur Stille gab. Als Jugendlicher bereitete es mir sogar Vergnügen, im Winter allein im nichtbeheizten Wohnzimmer zu sitzen, irgendetwas zu lesen, zu schreiben, zu zeichnen oder einfach vor mich hin zu dösen. Selbst jetzt, während ich diese Andacht in den Computer tippe, ist die Tür zum Nebenzimmer ge­schlossen, obwohl sich nur noch meine Frau in der Wohnung befindet. Ich habe keine Probleme damit, „allein in einem stillen Raum zu sitzen“. Hat deshalb das Übel keinen Zugang zu mir?

Pascal meinte offenbar: Der Mensch, ob ein ruhi­ger oder weniger ruhiger Typ, hat Schwierigkeiten, Stille auszuhalten, zur Besinnung zu kommen, um sein Wesen und seinen wahren Zustand vor Gott zu erkennen. Es gibt genug Menschen, die es durchaus schaffen - von Natur aus begünstigt oder auch durch bestimmte erlernte Methoden -, allein in einem stil­len Raum Zeit zu verbringen. Aber was geschieht dabei?

Wir sollten wissen: Mit sich allein sein ist nicht möglich. Gott sitzt immer unsichtbar neben uns. Und er möchte die Stille mit seinem Heiligen Geist erfül­len. Darauf kommt es an! Deshalb sagte der Psalm­schreiber: „Meine Seele ist stille zu Gott, der mir hilft.“ Phia Rilke (1851-1931), die Mutter von Rainer Maria Rilke, schrieb: „Auch unsere Seele kann tod­müde werden - vom Warten.“ Bist du jetzt womöglich gerade todmüde und weißt nicht, wie du zur Ruhe kommen sollst?

Jesus kann dir helfen. Er sagt: „Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken.“ (Mt 11,28)

Ein Mensch, der nur zu sich findet, aber der Begeg­nung mit Gott ausweicht, empfängt keine Hilfe. Suche die Stille, übe sie ein und sei dir bewusst, dass Gott immer bei dir ist!


von Josef Butscher


Zu Gott hin sei stille, sei still, meine Seele.

Nur er ist der Fels, der nicht bröckelt und wankt.

Nur er ist der Horst, der dir Sicherheit bietet.

(Josef Butscher, Wachsen in der Liebe, Saatkorn)


                                                                                              
 

© Advent-Verlag Lüneburg - mit freundlicher Genehmigung